Globalist mit Identität aus Afrika
Youssou N’Dour verwandelte Hamburgs “Grosse Freiheit” für einen Abend in einen globalen Melting Pot:
African Beauties - europäisch glatthaarig und glitzernd neben solchen mit knallroten Damastgewändern und lockerem Turban. Ihre Männer im Anzug neben dem Rasta in Patchworkhose und den Deutschen in Jeans und Pulli. Es ist voll und ich treffe Bekannte, Deutsche wie Afrikaner, Jahre nicht gesehen, meeting and greeting. Manche von uns haben schon vor 17 Jahren an gleicher Stelle Mbalax getanzt. Jenen Tanz, dessen Polyrhythmik Youssou N’dour in die Welt und 1991 nach Hamburg gebracht hat.
Er und seine 15köpfige Band sind gut gelaunt, Youssou singt auf Wolof, immer wieder im Wechselgesang mit seinen Landsleuten vor der Bühne. Die bulligen Sicherheitsleute jedoch lassen niemand zu ihm rauf und so landen nur Papierknöllchen auf der Bühne. Es sind Euronoten - denn im Senegal würde man einem singenden Geschichtenerzähler die Ehre erweisen, indem man ihm Geldscheine in BouBou oder Kora legt oder gar auf die schweißnasse Stirn klebt.
Kaum einer bringt Tradition und Moderne so erfolgreich zusammen wie der Künstler, Mehrfachunternehmer und Unicef-Botschafter aus Dakar. Und YoussouN’Dour schafft den Spagat, Nord und Süd gleichzeitig zu begeistern - und dabei den Orient nicht zu verletzen. Aus Protest gegen den IrakKrieg cancelte er seine US-Tournee. Kurze Zeit später erhielt er den Grammy für die CD “Egypt” - die höchste amerikanische Musiktrophäe für eine Reise zu den muslimischen Traditionen seiner Heimat Senegal.
Es ist möglich, global zu handeln und lokale Identität zu wahren - wenn nicht gar nötig. Was ist mit unserer Identität?
Mehr über den afrikanischen Globalisten bei Radio Triangula als livestream am 26.4. um 16h.


